23.04.2026

19. Wieso wir bei unseren Werten keinen Spass verstehen!

Meine Lieben,

heute möchte ich euch einfach mal an einem Gedanken teilhaben lassen, der mich in letzter Zeit beruflich immer wieder beschäftigt. Ab und zu gibt es die sogenannten „Schlager“ in den Beratungen. Aus welchem Grund auch immer, häufen sich die gleichen Themen zu bestimmten Zeiten.
WIe gerade: Es geht um das Thema Werte – und darum, warum wir Menschen gerade hier so häufig aneinander geraten und Federn lassen.

Tatsächlich liegt in unseren unterschiedlichen Wertevorstellungen eines der größten Konfliktpotenziale überhaupt.

Wenn wir uns anschauen, was uns als Menschen prägt, dann können wir das vereinfacht in drei Bereiche unterteilen:
Zum einen sind da unsere Gene. Sie bestimmen nicht nur, wie wir aussehen oder welche körperlichen Voraussetzungen wir mitbringen, sondern auch, welche körperlichen und sogar psychischen Veranlagungen wir in uns tragen. 🧬

Der zweite Bereich sind unsere Erfahrungen. Hier wird es besonders spannend, denn Erfahrungen formen unsere Persönlichkeit maßgeblich. Was haben wir in unserem Leben bereits erlebt? Wie sind unsere Vorbilder mit Konflikten umgegangen? Mit Freude? Mit Stress oder Überarbeitung? Waren Pausen erlaubt oder stand immer nur Disziplin und Fleiß im Vordergrund?
Wurden wir liebevoll begleitet oder mussten wir früh für uns selbst sorgen? Sind wir in einem verlässlichen Umfeld aufgewachsen? Gab es Sicherheiten in unserem Leben – ganz konkret: Haben wir morgens selbstverständlich unser Butterbrot für die Schule bekommen? Wussten wir, dass unsere Eltern uns nachts von einer Party abholen, wenn wir sie brauchen? Oder war genau das eben nicht gegeben?
Mein Papa hat mich tatsächlich von jeder Party zu jeder Uhrzeit abgeholt. Diese Sicherheit haben wir auch unseren Kindern gegeben. So kam es, dass ich eines morgens nach Hamburg gefahren bin und abends wieder zurück in Attendorn war. Aber das ist ein anderes Thema. Oder doch nicht? #werte
All diese scheinbar kleinen Beispiele prägen uns tief – und sie wirken oft ein Leben lang nach.

Und damit kommen wir zum dritten Bereich: unsere Werte.
Werte sind im Grunde unser innerer Kompass. Sie helfen uns, Entscheidungen zu treffen, oft sogar unbewusst. Ob wir „Ja“ oder „Nein“ sagen, ob sich etwas stimmig anfühlt oder eben nicht – all das hängt eng mit unseren Werten zusammen.

Spannend ist dabei: Werte sind selten absolut. Zwei Menschen können denselben Wert haben, ihn aber völlig unterschiedlich leben.

Freiheit kann für den einen bedeuten, unabhängig zu arbeiten, für den anderen, viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Genau hier entstehen häufig Missverständnisse – nicht, weil Werte fehlen, sondern weil sie unterschiedlich interpretiert werden.

Ein anderer wichtiger Punkt ist: Werte zeigen sich vor allem unter Druck. In herausfordernden Situationen wird deutlich, was uns wirklich wichtig ist. Steht Leistung über Gesundheit? Harmonie über Ehrlichkeit? Sicherheit über Entwicklung? Gerade in solchen Momenten erkennen wir, ob wir im Einklang mit unseren eigenen Werten handeln – oder ob wir uns davon entfernen.

Und noch etwas ist entscheidend: Werte dürfen sich verändern. Was uns vor zehn Jahren wichtig war, kann heute eine ganz andere Bedeutung haben. Neue Erfahrungen, neue Lebensphasen, neue Menschen – all das beeinflusst unsere Werte. Deshalb lohnt es sich, immer wieder bewusst hinzuschauen: Was ist mir heute wirklich wichtig? Wofür stehe ich aktuell?

Wenn wir unsere eigenen Werte kennen und ernst nehmen, entsteht Klarheit. Sie hilft uns, Entscheidungen zu treffen. Auch entsteht durch Werte Klarheit im Umgang mit anderen – und vor allem Klarheit darin, wo wir hingehören und wo eben nicht.
Dies ist häufig ein Thema im Coaching. Das Werte-Gefühl sagt, was richtig für uns wäre, jedoch entscheidet sich der Verstand oder der „people pleaser“ (der Harmonbedürftige) in uns anders. 

Der gesunde Rahmen

Wenn wir verstehen, wie sehr unsere Gene, Erfahrungen und Werte unser Denken und Handeln prägen, wird sehr deutlich, wie wichtig ein Umfeld ist, das zu uns passt.

Ein gesunder Rahmen – beruflich wie privat – bedeutet, dass wir uns nicht dauerhaft verbiegen müssen. Er gibt uns Stabilität, Orientierung und Energie. In einem solchen Rahmen können wir unsere Stärken entfalten, bleiben leistungsfähig und vor allem gesund.

Dieser Rahmen ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Grundlage für unsere psychische und mentale Stärke. 💪🏻

Wenn der Rahmen enger wird – und was das für uns bedeutet 🔥
Gleichzeitig erleben wir alle auch Phasen im Leben, in denen sich dieser Rahmen verengt. Veränderungen, Krisen oder neue Anforderungen – ob im Beruf oder im Privatleben – können dazu führen, dass sich unser Lebensraum enger anfühlt. Es entsteht auf Dauer zu viel Reibung🔥Manchmal spüren wir das sogar körperlich: Der Hals wird eng – uns fehlt die Luft zum atmen, der Magen verkrampft sich, ein Gefühl von Druck entsteht. Solche „Umstände“ gehören zum Leben oft dazu, wir können sie uns nicht immer aussuchen. Sie sind oft ein Zeichen dafür, dass sich gerade etwas in unserer Biografie verändert. Übrigens: auch selbstgewählte Veränderungen können diese Gefühle auslösen – dies ist jedoch ein Zeichen dafür, dass Dir diese Veränderung sehr wichtig ist. Also zeig‘ den Gefühlen die Welt, anstatt dich von ihnen aufhalten zu lassen. Entscheidend ist jedoch, bewusst hinzuschauen: Bleibt dieser Zustand nur vorübergehend – oder wird er zur Dauerbelastung, in der wir uns dauerhaft eingeengt fühlen?

Genau hier knüpft auch der abschließende Gedanke an: Ehrlich zu sich selbst zu sein. Bleibe ich und gestalte aktiv mit? Oder erkenne ich, dass dieser Raum mir langfristig nicht entspricht, und finde einen Weg, gesund mit der Situation umzugehen? Beides ist in Ordnung – solange es eine bewusste Entscheidung ist.

Deshalb mein Wunsch an euch:

Dass ihr in einem Umfeld lebt, arbeitet und euch bewegt, das euren Werten (derzeit zumindest ein Stück weit) entspricht – im besten Fall sogar sehr. Und wenn das gerade nicht möglich ist, die Situation dennoch aushaltbar ist, dann wünsche ich euch die Klarheit, bewusst damit umzugehen und für euch einen Weg zu finden, der euch nicht dauerhaft auslaugt.
Akzeptanz ist temporär immer mal wieder ein guter Begleiter. Jedoch möchte ich ganz klar betonen, dass ich das Aushalten von psychischer und körperlicher Gewalt hier komplett ausschliesse.

Umso wichtiger ist es, achtsam mit sich selbst zu bleiben und immer wieder hinzuschauen.
Ich frage mich übrigens mindestens 2 mal am Tag, wie es mir geht.

🍀Was passiert hier gerade wirklich?
🍀Was läuft gut? Woran reibe ich mich?
🍀Habe ich die Möglichkeit, in dem System etwas zu verändern?
🍀Oder darf ich mich selbst verändern – meine Haltung, meinen Umgang, meine Perspektive?
🍀Gestalte ich aktiv mit? Oder ist es gerade ok mitzugehen?
🍀Oder erkenne ich, dass dieser Raum mir dauerhaft nicht entspricht, ich aber einen Weg finde, in diesem gesund und produktiv zu bleiben?

Beides ist in Ordnung – solange es eine bewusste Entscheidung ist.
🙌

So Freunde, viele Worte, ich weiß – aber mir war es wichtig, Euch diesen Impuls mitzugeben.